Managementkonzepte in Zeiten der Digitalisierung

Führungskräfte müssen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen schaffen, damit aus den Herausforderungen des digitalen Zeitalters Chancen werden.

von Dr. Consuela Utsch

Der digitale Wandel beeinflusst mittlerweile nahezu alle Lebens- und Arbeitsbereiche. Sowohl im Alltag als auch in der Unternehmenslandschaft machen sich Veränderungen bemerkbar. Moderne Informations- und Kommunikationstechniken eröffnen auf einem sich schnell verändernden Markt stetig neue Lösungen. Die Herausforderung: die jeweiligen Chancen und Risiken zu erkennen und diese erfolgreich zu realisieren. Um in der Organisation eines Unternehmens die Voraussetzungen für die zielführende Platzierung der Digitalisierungsthemen zu schaffen und das Thema nachhaltig zu verankern, erfordert es eine zeitnahe Investition in Veränderungen vonseiten der Unternehmen.
Chancen nutzen

Schon im Alltag wirkt sich die Digitalisierung auf die Art und Weise aus, wie Menschen sich verständigen oder Daten austauschen: Soziale Netzwerke erleichtern die Kommunikation, ermöglichen beispielsweise eine einfache Versendung von Bild-, Ton- und Videoaufnahmen, Dateien können einfach via Filehosting in eine Cloud geladen und auf beliebig vielen Geräten abgerufen werden und auch die Informationsbeschaffung ist nun einfacher, schneller und individueller. Alles Aspekte, die in der heutigen Unternehmenswelt ebenso eine Rolle spielen, denn die Digitalisierung bringt auch hier einen enormen Wandel mit sich. Die mit dem digitalen Zeitalter einhergehenden Veränderungen stellen Unternehmen vor zahlreiche Herausforderungen – aber auch Chancen: So können Unternehmen durch die wachsende Menge an Daten Informationen für sich nutzen, um individuell zugeschnittene Lösungen für Kunden und personalisierte Produkte zu erstellen. Führungsebenen müssen sich über die sich wandelnde Welt ebenso bewusst werden wie bezüglich der sich verändernden Konsumenten und Wertschöpfungsketten. Dafür muss das Management die entsprechenden Voraussetzungen und Rahmenbedingungen herstellen.

Gesicht der Digitalisierung

Insbesondere wirkt der Chief Digital Officer als Treiber der Digitalisierung und Brücke zwischen IT und Geschäftsführung.
Insbesondere wirkt der Chief Digital Officer als Treiber der Digitalisierung und Brücke zwischen IT und Geschäftsführung.

Die Entwicklung moderner Geschäftsmodelle bedarf einer Neuausrichtung von Unternehmensstruktur, Organisation und Führungskultur – dazu zählt auch die Installation entsprechend benötigter neuer Rollen, darunter unter anderem der „Data Scientist“ und der „Data Compliance Officer“. Insbesondere wirkt jedoch der „Chief Digital Officer“, kurz CDO, als Treiber der Digitalisierung und Brücke zwischen IT und Geschäftsführung. Seine Rolle erfüllt somit im digitalen Wandel immer wichtiger werdende Aufgaben. Ist die Dringlichkeit der Umstrukturierungen erkannt, stellt sich im Unternehmen die Frage, wie Maßnahmen am besten strukturiert und koordiniert weitergeführt werden können. Hierfür ist die Rolle des Chief Digital Officers unverzichtbar, denn dieser verantwortet die strategische Transformation und steuert sowie forciert gleichzeitig die Vernetzung zwischen Fachbereichen und IT. Zudem sollte der CDO als Motivator im Unternehmen wirken und mit dem CIO auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Während der CIO den IT-Betrieb mit seinen Anforderungen verantwortet, treibt der CDO neue Geschäftsmodelle und deren Realisierung unter Einbeziehung der Mitarbeiter voran. Gleich zu Beginn der Tätigkeit muss der Chief Digital Officer eine digitale Veränderungslandkarte und eine Strategie entwickeln, um so die Koordination digitaler Aktivitäten zum Wandel des unternehmensweiten Geschäfts zu lenken. Diese sogenannte Digitalisierungsroadmap befasst sich mit drei Ebenen. Den Anfang macht die Schaffung eines passenden Umfelds und somit der Aufbau entsprechender Rahmenbedingungen sowie einer Community, welche das Thema nachhaltig in der Organisation vorantreibt. Daran schließt sich die Sammlung von innovativen, disruptiven Ideen, häufig unter Zuhilfenahme der Analyse der bereits vorhandenen Daten, an. Nachfolgend werden verschiedene Innovationen und Lösungen „ausprobiert“. Darauf aufbauend erfolgt die Entscheidung und Umsetzung des Pilotbetriebs. Entscheidend für den Erfolg der Lösung ist jedoch der dritte Part: Nur wenn das Unternehmen eine offene, innovative Kultur zulässt und die Fehlerkultur Misserfolge gestattet, gehen Mitarbeiter motiviert an die Umsetzung und einer erfolgreichen, nachhaltigen digitalen Transformation steht nichts mehr im Weg. Alle diese Verantwortungen in nur einem „Chief Digital Officer“ zu konzentrieren ist häufig jedoch wenig sinnvoll. Vielmehr bietet es sich an, ein Digitalisierungsteam aufzustellen und die Schwerpunkte der jeweiligen Teammitglieder entsprechend deren Kompetenzen festzulegen. Für die erfolgreiche Integration des „Chief Digital Officer“-Teams im Unternehmen benötigt dieses zunächst einmal passend ausgewählte Personen mit den entsprechenden Kompetenzen und Fähigkeiten. Hierzu zählen neben weitreichenden Kenntnissen der Geschäftsprozesse sowie der Kundenanforderungen auch der Aufbau eines guten internen sowie externen Netzwerks und entsprechendes Know-how über die Branche und deren Anforderungen. Erfahrungen im Änderungsmanagement sind ebenso notwendig wie Innovationskraft und Mut, disruptive Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Agilität, Kreativität und das Infragestellen der aktuellen Situation durch intensive Auseinandersetzung mit der Frage „Was ist, wenn dieses Geschäftsmodell kippt?“ zeichnen das erfolgreiche Team neben strategischem Denken zusätzlich aus. Die Kandidaten sollten außerdem die Koordination digitaler Aktivitäten unter Einbindung externer Key-Player beherrschen und eine hohe Kommunikationsfähigkeit besitzen. Der Job benötigt zudem vor allem Businessverständnis und Überzeugungskraft. Insbesondere der Schritt, langjährige Prozesse neu zu beleuchten und infrage zu stellen, ist eine große Herausforderung. Es kann jedoch auch passieren, dass ein Unternehmen sich hierfür vollständig neu strukturieren muss. Deshalb fehlen in vielen Organisationen häufig noch diese Teams. Abgerundet werden die Kompetenzen durch einen qualifizierten Umgang mit unterschiedlichen Hierarchieleveln und Persönlichkeitsstrukturen.

Zur erfolgreichen Umsetzung der digitalen Transformation gehört es zu den Aufgaben des „Chief Digital Officer“-Teams, das entsprechende Umfeld zu schaffen, die vorhandenen Daten zu analysieren, innovative, disruptive Ideen zu entwickeln, Lösungen auszuprobieren und nach der Auswahl die Mitarbeiter entsprechend mitzunehmen
Zur erfolgreichen Umsetzung der digitalen Transformation gehört es zu den Aufgaben des „Chief Digital Officer“-Teams, das entsprechende Umfeld zu schaffen, die vorhandenen Daten zu analysieren, innovative, disruptive Ideen zu entwickeln, Lösungen auszuprobieren und nach der Auswahl die Mitarbeiter entsprechend mitzunehmen

Raum für Kreativität

Die Umsetzung einer entsprechenden Lösung, um die Herausforderungen der Digitalisierung anzugehen, muss zunächst eine Überarbeitung der Unternehmensstruktur beinhalten. Die bisher vorherrschenden und bekannten hierarchischen Ebenen stehen im Kontrast zu den flexiblen und agilen Konzepten, die für die effektive Integration und Nutzung der Digitalisierung notwendig sind. Diese müssen Führungskräfte anpassen, beispielsweise mithilfe eines rollenbasierten Ansatzes: Mitarbeiter werden entsprechenden Zeitfenstern zugeordnet, in denen sie für eine bestimmte Aufgabe verantwortlich und zuständig sind. Diese Methode schafft zusätzlich den notwendigen Freiraum, den Arbeitnehmer zum Schutz vor Stress, Überforderung und Burn-out benötigen. Hierfür ist ein angemessenes Vertrauen notwendig, das der Vorgesetzte seiner Belegschaft vermittelt. Das verbessert die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Das Ergebnis der Umstrukturierung: höhere Effektivität und gesteigerte Motivation. Nur durch den passenden Ansporn ihrer Mitarbeiter schaffen Führungskräfte Raum für Kreativität und Innovationen.
Die entscheidenden Aspekte liefern allerdings die Persönlichkeit und Führungseigenschaften des Chefs: Manager von heute benötigen neben den noch immer notwendigen Attributen Empathie, Durchsetzungsfähigkeit und der fachlichen Kenntnis vor allem die Digitalkompetenz. Führungskräfte sollten folglich ein entsprechendes Interesse und Know-how bezüglich der wesentlichen Aspekte der Digitalisierung und ihrer Auswirkungen, Risiken und Chancen mitbringen, um die Herausforderungen entsprechend zu bewältigen. Auch die Bereitschaft für Weiterbildungen zählt im digitalen Wandel für die Unternehmensspitze zu den Charakteristiken, die sie für kompetente Führung benötigen. Und diese sollte nicht nur auf Technologietrends, sondern insbesondere auf neue Methoden, Innovations- und Kreativitätskompetenzen sowie Organisationsformen und Veränderungsmanagement fokussiert sein.

Die benötigten Kompetenzen und Fähigkeiten für den CDO sind vielfältig und häufig nicht in einer Person zu integrieren. Digitalisierungsteams können eine Lösung sein.
Die benötigten Kompetenzen und Fähigkeiten für den CDO sind vielfältig und häufig nicht in einer Person zu integrieren. Digitalisierungsteams können eine Lösung sein.

Veränderte Anforderungen

Auf die Einführung neuer Verantwortlichkeiten folgt ein ausführlicher Blick auf die Mitarbeiter des Unternehmens. Die Management­ebene muss eingreifen und ihre Belegschaft darin unterstützen, schnell, effizient und qualitativ hochwertig in den neuen Strukturen und temporären, übergreifenden Teams zusammenzuarbeiten. Allen voran rücken hier die veränderten Anforderungen an die Mitarbeiter in den Vordergrund. Demnach wird unter anderem eine ausgeglichene Work-Life-Balance immer wichtiger für diese. Eine im Auftrag von Microsoft durchgeführte Befragung belegt, dass eine Vielzahl der Arbeitnehmer sich mehr Flexibilität bei der Arbeit, eine höhere Transparenz und besseren Zugang zu Informationen wünscht. Gleichermaßen zählen regelmäßiges Feedback von Vorgesetzten und mehr Selbstständigkeit, auch beim Treffen von Entscheidungen, zu den neuen Anforderungen der Mitarbeiter, auf die Führungskräfte eingehen müssen. Im steigenden Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte werden diese Aspekte sowie eine entsprechende kompetente Führung für Unternehmen zum entscheidenden Faktor.
Die eigenen Mitarbeiter sind besonders in der heutigen Zeit das Kapital der Unternehmen. Unterschiedliche Personen bringen verschiedene Sichtweisen auf Produkte, Prozesse und Services mit sich. Dadurch werden die Vielfältigkeit und die Qualität der Arbeit verbessert sowie das Risiko für Fehler minimiert. Die vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen gilt es möglichst produktiv einzusetzen, um so die richtigen Lösungen und Produkte zu erstellen. Ein gut funktionierendes Team sorgt hierbei für große Vorteile. Führungskräfte sind also dazu angehalten, bei der Zusammensetzung der Teams auf verschiedene Verhaltenstypen der einzelnen Mitarbeiter zu achten und diese so zu kombinieren, dass ihre Fähigkeiten sich ergänzen. Oftmals lässt sich allerdings eine genaue Zuordnung zu einer einzigen Kategorie nur schwerlich realisieren. Vielmehr spielen zwei, manchmal sogar drei Verhaltenselemente eine Rolle. So ergeben sich entsprechende Aufgaben, die zum jeweiligen Mitarbeiter passen. In Teams fördern und fordern die zum Teil gegensätzlichen Denkweisen die unterschiedlichen Blickwinkel im Unternehmen, sodass einerseits ein Thema von mehreren unterschiedlichen Seiten beleuchtet und andererseits innovativen Ideen Vorschub geleistet wird. Die Endergebnisse sind somit durchdachter, qualitativ hochwertiger und weisen weniger Fehler auf. //

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