Vielfalt als Chance

Diversity als Garant für Innovation

von Stephan Dirschl

Vielfalt ist heute kein Nischenthema mehr – weder in der Politik und schon gar nicht in der heutigen Arbeitswelt. Schon immer zeichneten sich moderne Gesellschaften durch Vielfalt aus. Doch der Blick auf die heutige Arbeitswelt zeigt: Vielfalt ist eine Entwicklung, an der kein Unternehmen und keine Institution in der heutigen Zeit vorbeikommt. Vielfalt ist keine Frage, sondern sie ist einfach da und muss genutzt werden. Bis zu vier Generationen arbeiten schon heute in deutschen Organisationen zusammen.

Der Anteil von erwerbstätigen Frauen steigt kontinuierlich. Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund leben und arbeiten in Deutschland. Hinzu kommen die Trends der Globalisierung, der Digitalisierung und der technologischen Entwicklung. Organisationen stehen heutzutage angesichts dieser äußeren Veränderungen unter einem zunehmenden Anpassungsdruck. Sie müssen sich verstärkt mit dieser wachsenden Vielfalt auf dem Arbeits- und Wirtschaftsmarkt auseinandersetzen. Ihr Erfolg hängt davon ab, wie sie sich in globalisierten Wirtschaftsströmen und im Wettbewerb um qualifiziertes Personal positionieren können. Diversity Management hilft, auf all diese Trends zu reagieren. Mehr noch: Es zeigt Wege auf, sie zu nutzen.

Diversity – ein Zukunftsprogramm mit klaren Vorteilen

Denn gerade in der Vielfalt innerhalb und außerhalb von Organisationen liegt eine enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Kraft: Beschäftigte bringen verschiedene Fähigkeiten und Talente ein und ermöglichen innovative Lösungen. So können Unternehmen beispielsweise durch unterschiedliche Sprach- und Kulturkenntnisse ihrer Belegschaft neue Märkte erschließen. Auch unterschiedliche Herangehensweisen divers zusammengesetzter Teams eröffnen neue Horizonte. Vielfältige Ideen, Perspektiven und Lebensentwürfe in allen Bereichen von Organisationen lassen sich nutzen, um die Produktvielfalt zu erhöhen, um neue Lösungsmöglichkeiten zu finden oder um die Bereiche von Forschung und Entwicklung zu beflügeln.

Diese These bestätigen auch die Befragungsergebnisse der aktuellen Studie der Arbeitgebendeninitiative Charta der Vielfalt e.V.: Zwei Drittel aller Unternehmen in Deutschland sehen mit Diversity Management konkrete Vorteile für ihr Unternehmen verbunden. Dazu zählen insbesondere die Attraktivität für bestehende und neue Beschäftigte, die Offenheit und Lernfähigkeit der Organisation sowie die Förderung von Innovation und Kreativität. Und 63 Prozent der Unternehmen erwarten, dass Diversity Management zukünftig noch stärker an Relevanz gewinnt.

Nicht zuletzt macht Diversity Management Unternehmen und Institutionen auch zu attraktiven Arbeitgebenden – und damit interessant für Talente und Fachkräfte. Es hilft, eine offene Organisationskultur zu etablieren, die für potenzielle sowie für bestehende Beschäftigte attraktiv ist und sie an das Unternehmen bindet. Bekennt sich ein Arbeitgebender zu Vielfalt und setzt sich für den Schutz freiheitlicher Werte wie Toleranz, Fairness und Respekt ein, trägt dies zu einem positiven Image bei. Auch hier stimmt die Mehrheit der Befragten aus der oben erwähnten Studie zu. 74 Prozent geben an, dass sie in der Attraktivität als Arbeitgeber einen zentralen Vorteil von Diversity im Unternehmen sehen. Gleiches gilt für die Erfolge in der Mitarbeiterbindung.

Gelingt es Unternehmen und Institutionen also, die soziokulturelle Verschiedenheit in ihrer Organisation abzubilden, zu pflegen und wertzuschätzen, so gewinnen sie mehrfach. Diversity Management bedeutet damit sowohl Zukunftsvorsorge als auch Zukunftssicherung.

Abb 2: Umsetzungsschritte bei der Entwicklung einer Diversity-Management-Strategie

Gelebte Vielfalt braucht Strategie

Doch wie geht konkret die Umsetzung? Diversity steht für die gelebte Vielfalt aller Menschen in einer Organisation. Deren Förderung geschieht allerdings nicht allein durch die Einführung einer Frauenquote oder dadurch, dass Teams möglichst vielfältig in Bezug auf ihre Fähigkeiten, Voraussetzungen, Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale zusammengestellt werden. Ein strategisches Diversity Management greift vielmehr vielfältige Themen auf und setzt an vielen unterschiedlichen Punkten an. Es ist ein differenziertes Konzept, anhand dessen der Umgang mit Vielfalt ziel­orientiert geplant und gesteuert werden kann. Es enthält konkrete Strategien, Maßnahmen und Instrumente, welche unternehmerische Werte und Überzeugungen klar formulieren und sie institutionell verankern.

Seine Einführung und Umsetzung folgen einem klaren Plan mit übergeordneten Leitfragen. Dabei wählt jede Organisation ihren individuellen Weg bei der Einführung von Diversity Management. Sie ist abhängig davon, ob schon Strategien zur Förderung von Chancengleichheit und Vielfalt existieren und welche Ressourcen zur Verfügung stehen.

Wie alle Veränderungen kann auch Diversity Management viele bewusste und unbewusste Ängste wecken und offene oder verdeckte Widerstände hervorrufen. Mit der Einführung eines Diversity Managements geht ein Kulturwandel einher, der mitunter Hierarchien, langjährige Gewohnheiten und Statusprivilegien hinterfragt.

Diversity Management findet zwar oftmals seinen Ausgangspunkt bei einem ganz konkreten Bedarf. Allerdings ist Diversity Management kein isoliertes Projekt, sondern ein vielschichtiger und komplexer Veränderungsprozess, der nicht von heute auf morgen gelingt und der sich nicht nur auf Personalinstrumente konzentriert. Hierbei gilt jedoch nicht das Motto „One size fits all“. Vielmehr sind maßgeschneiderte Lösungen gefragt. Denn je mehr sich jede und jeder Einzelne im Unternehmen wertgeschätzt fühlt, desto mehr Wirksamkeit kann Diversity Management entfalten.

Doch wie alle Veränderungen kann auch Diversity Management viele bewusste und unbewusste Ängste wecken und offene oder verdeckte Widerstände hervorrufen. Mit der Einführung eines Diversity Managements geht ein Kulturwandel einher, der mitunter Hierarchien, langjährige Gewohnheiten und Statusprivilegien hinterfragt. Daher müssen die Beschäftigten aktiv für den Prozess gewonnen werden. Elementar ist dafür die Unterstützung durch die Geschäftsführung.

Diversity ist mehr als Mann und Frau und das Management von Minderheiten

Diversity Management ist kein Minderheitenprogramm. Es geht um die zielgerichtete Einbindung von Vielfalt auf allen Ebenen. Nicht die Defizite, sondern die Potenziale des Einzelnen sollen im Vordergrund stehen. Dies erfordert ein Umdenken im Betrieb. Damit betrifft es auch die Beschäftigtengruppen, die sich nicht zu Minderheiten zählen und sich eventuell daher nicht durch das Thema angesprochen fühlen. Gerade diese Mehrheit im Unternehmen ist entscheidend für den Erfolg der Strategie.

Diversity Management ist somit das Management eines Kulturwandels in der Organisation. Es ist ein Veränderungsprozess, der beim Abbau von Hürden für bestimmte Gruppen beginnen kann und in einer bewussten Einbindung von Vielfalt auf allen Ebenen mündet. Dies ist kein einfacher Prozess, der irgendwann sein Ende findet. Vielmehr geht es um eine kontinuierliche Überprüfung der gesamten Organisationsstruktur und der Prozesse.

Die Vielfalt der Belegschaft ist ein Gewinn

Eines ist aber klar: Der Aufwand lohnt sich. Wer sich als Unternehmen oder Institution zukunftssicher aufstellen möchte, für den wird Diversity Management zum Pflichtprogramm. Denn nur wer Vielfalt in der eigenen Organisation anerkennt und sich selbst vielfältig aufstellt, kann auf immer vielfältiger werdende Märkte und Gesellschaften reagieren und sich der sich wandelnden Arbeitswelt stellen. Wer erfolgreich sein möchte, kann es sich nicht mehr erlauben, Vielfalt zu ignorieren. Diversity Management ist der strategische und zukunftsorientierte Ansatz hierfür. //

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