Intrapreneurship – Neue Wege im HR-Management

„Unternehmer im Unternehmen“ – aber was bedeutet das? Für wen bietet Intrapreneurship einen Mehrwert? Und was macht einen guten Intrapreneur aus?

Während Entrepreneure neue Geschäftsideen verwirklichen, indem sie Firmen gründen, agiert der Intrapreneur mit eben jener unternehmerischen
Denkweise – jedoch in seiner Funktion als Mitarbeiter eines bestehenden Unternehmens. Intrapreneure beteiligen sich dadurch aktiv an der Gestaltung des Unternehmens, indem sie eigene Ideen zur Verbesserung und Weiterentwicklung beitragen und umsetzen. Wenn Mitarbeiter aus den eigenen Reihen zum „Unternehmer im Unternehmen“ werden, entfalten sich Potenziale, die sich auf vielen Ebenen positiv auf den Geschäftserfolg
auswirken können:

  • Innovation: Intrapreneurship fördert die Kreativität der Mitarbeiter und stellt somit einen starken Innovationstreiber für das Unternehmen dar. Zudem kommen die Ergebnisse, wie beispielsweise neue Produkte oder verbesserte Strategien und Prozesse, den Unternehmen zugute, wodurch diese einen Wettbewerbsvorteil erlangen können.
  • Mitarbeiterbindung: Intrapreneurship und die damit verbundene Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen, erhöhen die Mitarbeiterbindung.
  • Wissenstransfer und -erhalt: Durch Intrapreneurship-Projekte kann sichergestellt werden, dass Fähigkeiten und Wissen im Unternehmen selbst vorhanden sind und nicht an externen Stellen, z. B. bei Beratern oder Dienstleistern.
  • Kostenbewusstsein: Interne Innovationsprojekte sind oftmals um ein Vielfaches günstiger, als Neues durch Dritte entwickeln zu lassen.
  • Weiterbildung und Förderung von Mitarbeitern: Aus den Aufgaben im Rahmen von Intrapreneurship-Projekten ergeben sich neue Herausforderungen für die Mitarbeiter, die diese dazu anregen, sich auf verschiedenen Ebenen weiterzubilden.
  • Kommunikation und Netzwerke im Unternehmen: Intrapreneure nutzen die Ressourcen des Unternehmens auf andere Weise als die klassische Organisation. Dadurch ergeben sich neue Schnittstellen und Netzwerke, die Kommunikation wird über Abteilungsgrenzen hinweg angeregt, woraus oftmals sogar eine verbesserte Effizienz der klassischen Organisationsstruktur erwächst.

Die Rahmenbedingungen

All diese Vorteile klingen verlockend. Und bekannte Unternehmen wie Sony, Google, die deutsche Telekom und andere haben vorgemacht, wie aus den Ideen der eigenen Mitarbeiter große Erfolge für das Gesamtunternehmen
entstehen können. Es ist also kein Wunder, dass immer mehr große und kleine Firmen das Prinzip des Intrapreneurships für sich nutzen wollen. Doch den Verantwortlichen ist oft nicht klar, welche Rahmenbedingungen im Unternehmen erfüllt sein müssen. Wir konnten auf Basis unserer Arbeit mit etablierten Unternehmen sowie Start-ups folgende Aspekte als Kernelemente für die erfolgreiche Förderung von Intrapreneurship identifizieren:

  • Die Firmenkultur: Als Grundpfeiler für Intrapreneurship müssen Unternehmen zunächst eine innovationsfördernde Vision formulieren und diese auch gesamtheitlich umsetzen. Lippenbekenntnisse genügen nicht, es geht hier um die gelebte, von den Mitarbeitern im Alltag wahrgenommene Firmenkultur.
  • Zeit und Ressourcen: Die nötige Zeit und die Mittel müssen zur Verfügung stehen, damit Intrapreneurship-Projekte umgesetzt werden können. Hierzu zählt nicht nur, dass Firmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, einen gewissen Anteil ihrer Arbeitszeit in Intrapreneurship-Projekte zu stecken. Viel mehr benötigen Intrapreneure ein gewisses Maß an Entscheidungsgewalt und Unterstützung des Unternehmens in Form von Ressourcen.
  • Die Kommunikationskultur: Flache Hierarchien sowie eine offene Kommunikation helfen, die Vision und Strategie im gesamten Unternehmen zu verankern.
  • Wissensmanagement und Informationskultur: Nur dort, wo Wissen großzügig geteilt wird und jedem zugänglich ist, kann Innovation sinnvoll entstehen. Es fällt auf, dass in Unternehmen, in denen erfolgreich Intrapreneurship gelebt wird, großzügig mit dem Gut „Wissen“ umgegangen wird: Mitarbeiter können etwa über gut gepflegte Wissens-Datenbanken, Intranets, interne Foren und Wikis das im Unternehmen existente Know-how abrufen. Zudem wird der Wissenstransfer aktiv gefördert, z. B. indem Mitarbeiter Zeit zur Verfügung gestellt bekommen, interne Wikis zu pflegen, in abteilungsübergreifenden Expertenrunden zusammenzukommen, sich in internen Foren auszutauschen oder einander fachlich zu schulen. Dass der Zugang zu externem Wissen, vor allem über das Internet, jederzeit möglich ist, versteht sich von selbst.
  • Anreizsysteme, die unternehmerisches Denken und Handeln innerhalb der Firma fördern.
  • Fehlertoleranz: Nur, wenn das Scheitern nicht mit Stigmatisierung quittiert wird, haben Mitarbeiter langfristig den Mut, eigene Ideen umzusetzen. Die Offenheit des Unternehmens für Experimente und somit auch für mögliche Fehler muss klar kommuniziert werden, um Mitarbeiter zu ermutigen, ihre Ideen aktiv in das Unternehmen einzubringen.

Vom Mitarbeiter zum Intrapreneur

Doch eine Kultur und Strategie allein, die Intrapreneurship fördern, werden nicht ausreichen, wenn den Mitarbeitern die nötigen Fähigkeiten fehlen, um als Intrapreneure zu agieren. Ein zentraler Aspekt sind der Wille und die Befähigung der Mitarbeiter zum Intrapreneurship. Unternehmerisches Denken und ein hohes Maß an Eigeninitiative sind zwei Kerneigenschaften von Mitarbeitern, die innerhalb einer Firma innovieren und neue Projekte umsetzen wollen. Um diese Eigenschaften zu fördern, sollten Unternehmen sich mit der Entwicklung entsprechender Trainings- und Weiterbildungsmaßnahmen beschäftigen. So müssen Intrapreneure etwa die Chance bekommen, sich gezielt fachlich fortzubilden. Aber auch in den Bereichen Kostenbewusstsein, Kundenorientierung und Projektmanagement bedarf es oft der Weiterbildung, um die Erfolgswahrscheinlichkeit der Intrapreneurship-Projekte zu erhöhen. Zugleich gilt es aber auch, anzuerkennen, dass wahrscheinlich niemals alle Mitarbeiter ein Interesse daran haben werden, so viel Eigeninitiative und Verantwortung zu übernehmen. Natürlich kann Intrapreneurship zwar gefördert, aber nie verordnet werden. Der Erfolg basiert auf der Freiwilligkeit der Mitarbeiter!

Wichtig: Regeln für Intrapreneure

Intrapreneurship bedeutet für Mitarbeiter, dass sie weitgehend eigenverantwortlich und selbstständig arbeiten können. Dennoch ist es wichtig, einige Rahmenbedingungen und Regeln festzulegen, um mögliche negative Auswirkungen von Intrapreneurship zu verhindern. Negative Auswirkungen und ihre Lösungen können beispielsweise sein:

  • Überforderung: Mitarbeiter übernehmen sich oder stellen im Projektverlauf fest, dass sie überfordert sind. Sowohl eine fachliche Überforderung als auch z. B. negative gruppendynamische Aspekte oder sich ändernde externe Rahmenbedingungen können dazu führen, dass Mitarbeiter vor Problemen stehen, die sie nicht ohne Hilfe lösen können. Hier ist es wichtig, geeignete Anlaufstellen und Hilfsangebote vorzuhalten.
  • Überstunden: Um sowohl ihren Innovationsprojekten als auch ihren rollenbezogenen Aufgaben gerecht zu werden, kann es schnell vorkommen, dass Mitarbeiter zu viel Zeit im Unternehmen verbringen. Es genügt dann nicht, die Mitarbeiter zum Gehen aufzufordern – vielmehr gilt es hier, mit dem Mitarbeiter gemeinsam Lösungen zu suchen, um das Grundproblem zu beheben.
  • „Peer Pressure“: Engagieren sich viele Kollegen in Intrapreneurship-Projekten, so kann sich dadurch der Druck auf Einzelpersonen erhöhen, ebenfalls als Intrapreneur zu agieren. Und das auch dann, wenn dazu die nötige Zeit und Fähigkeiten fehlen. Zudem kann dieser sogenannte „Peer Pressure“ im Zusammenhang mit Intrapreneurship dazu führen, dass Mitarbeiter aufgrund ihrer Projekte Konkurrenzdruck verspüren oder sich durch einen gefühlten sozialen Druck übernehmen.

Der Intrapreneur – ein Enthusiast und Tausendsassa

Die Eigenschaften eines Intrapreneurs gleichen denen eines Entrepreneurs:

  • Unternehmerische Denkweise mit der Fähigkeit, Chancen zu erkennen
  • Proaktives, unabhängiges und eigenverantwortliches Arbeiten
  • Enthusiasmus und Zielstrebigkeit verbunden mit dem Mut, sich in neuem Terrain explorativ zu bewegen
  • Ideenreichtum und Kreativität
  • Lernfähigkeit: Egal, was ein Intrapreneur tut, er lernt aus den Ergebnissen und teilt dieses Wissen breit
  • Neugierde und Lernbereitschaft: Ein Intrapreneur hinterfragt Dinge, ist bereit, ständig zu lernen, und versteht es, immer wieder in neue Bereiche einzutauchen
  • Gutes Zeitmanagement
  • Resilienz
  • Gutes Verständnis für den Markt und die aktuelle Situation, verbunden mit guten Kenntnissen über das eigene Unternehmen, dessen Stärken, Schwächen, Strategie und Zukunftsvision
  • Ein gutes Verständnis für Trends und Entwicklungen im eigenen Markt sowie in Forschung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft
  • Getrieben durch den Wunsch nach bedeutungsvoller Arbeit und Leidenschaft für seine Tätigkeit, ist die Motivation eines Intrapreneurs intrinsischer Natur#
  • Umfangreiche fachliche und methodische Kompetenz, im Grunde ist der Intrapreneur aber ein Generalist mit breitem Wissen in vielen Bereichen und dem Willen, sich selbst und seine Arbeit auch auf den Prüfstand zu stellen
  • Führungsqualitäten, hohe soziale Kompetenz und Teamfähigkeit: Intrapreneure setzen auf Teamleistung, um Risiken zu minimieren, und sind zugleich in der Lage, Gruppen zu leiten, ohne zu dominieren, sondern verstehen sich als Teil des großen Ganzen
  • Kommunikativ, vernetzt und informiert: Intrapreneure sind gut vernetzt, kennen zu jeder Frage den richtigen Ansprechpartner und nutzen „Schwarmintelligenz“

Nur dort, wo Wissen großzügig geteilt wird, kann Innovation sinnvoll entstehen.

Intrapreneurship als Werkzeug im HR-Management

Im Zusammenhang mit HR-Management eröffnet Intrapreneurship neue Möglichkeiten in den verschiedensten Bereichen. Einen großen Nutzen bietet es zum Beispiel für das Employer-Branding: Eine Unternehmenskultur, die Intrapreneurship unterstützt, erhöht die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber für potenzielle Bewerber sowie für bestehende Mitarbeiter. Zudem fördert die Möglichkeit, durch die Umsetzung eigener Ideen an der Lösung unternehmensinterner Probleme mitzuwirken und somit zum Erfolg beizutragen, die Mitarbeiterbindung und -motivation. Hieraus entsteht auch die Chance, vielversprechenden Mitarbeitern zusätzliche Verantwortung zu übertragen, selbst wenn in der bestehenden Organisation aktuell keine Möglichkeit für eine reguläre Beförderung existiert. So können gute Mitarbeiter im Unternehmen gehalten und ihr Engagement gefördert werden.

Zudem bietet Intrapreneurship Mitarbeitern die Möglichkeit, ihr individuelles Potenzial ganzheitlich einzubringen. Fähigkeiten, Wissen, private Interessen und Talente vieler Mitarbeiter bleiben im beruflichen Umfeld oftmals ungenutzt. Sei es, weil sich Mitarbeiter ihrer Fähigkeiten nicht bewusst sind, weil es keine Möglichkeit gibt, diese sinnvoll einzubringen oder weil die Motivation zu deren Nutzung nicht besteht. Indem Firmen ihre Mitarbeiter aber dazu anregen, sich als Intrapreneure zu engagieren, können versteckte oder nicht genutzte Potenziale besser ausgeschöpft werden. Mitarbeiter können auf diese Weise viele Aspekte ihrer Persönlichkeit einbringen und ihre eigenen Interessen ein Stück weit verfolgen. Das fördert die Motivation sowie Freude an der Arbeit und schafft Anerkennung weit über das gewöhnliche Maß hinaus. Darüber hinaus können sich Mitarbeiter an Intrapreneurship-Projekten beteiligen und dadurch neue Facetten kennenlernen. Sie brechen aus dem täglichen Trott aus und bekommen neue Stimulation, die sich positiv auf die Moral, Stimmung und Gesundheit der Organisation auswirken kann. Es bilden sich auf natürliche Weise unternehmensweite Netzwerke, die sich im Alltag auch lange über das Intrapreneurship-Projekt hinaus positiv auf die Kommunikation und die Prozessgestaltung auswirken.

In Zeiten steigender Komplexität und rasanten Wandels ist Anpassungsfähigkeit und Weiterentwicklung gefragt. Aus diesem Grund legen immer mehr Unternehmen Wert auf kontinuierliches Lernen und das Weitergeben von Wissen zur Innovation, sogenannte „Learning Organisations“. Diese stellen einen wahren Katalysator für Intrapreneurship dar! Die Kultur dieser Unternehmen, in denen Lernen auf verschiedenen Unternehmensebenen gefördert und belohnt wird, und das Konzept von Intrapreneurship bieten einen hohen gegenseitigen Mehrwert, sodass es nahe liegend ist, beides Hand in Hand gehen zu lassen.

So etablieren Learning Organisations effektive Kommunikationsstrukturen innerhalb des Unternehmens. Intrapreneure können von dieser Infrastruktur profitieren, da sie sich schnell mit Kollegen und Experten in anderen Unternehmensbereichen austauschen können, um ihre Projekte voranzubringen. Aber auch für das Unternehmen selbst entsteht ein Mehrwert, da Intrapreneure kreative, innovative Ideen und neues Wissen in den Wissenspool der Firma einspeisen und somit unternehmensweit zugänglich machen. Aussagen, wie „Wir wissen nicht, was in den nächsten Jahren passieren wird.“, gehören in einer durch Intrapreneurship getriebenen Organisation der Vergangenheit an und werden ersetzt durch ein „Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Aber wir sind aktiv dabei, die Zukunft zu gestalten.“

Mit seinen verschiedenen Facetten stellt Intrapreneurship also für viele Unternehmen ein erfolgversprechendes Konzept dar. Die Etablierung des Konzeptes bedarf aber einer sorgfältigen Planung und sollte strukturiert umgesetzt werden. Um Ihnen auf diesem Weg eine Unterstützung zu bieten, haben wir ein Handbuch entwickelt, mit dem Sie sich Schritt für Schritt zu einem Unternehmen, in dem Intrapreneurship gefördert und gelebt wird, entwickeln können. Dieses Handbuch steht Ihnen kostenfrei auf www.workbook-intrapreneurship.com zum Download zur Verfügung.

Von Robin Weninger, Anne-Lena Jost und Sophia Bolz

 

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